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NS-Rassenideologie und Antisemitismus

Die nationalsozialistische Ideologie war durch Vorstellungen von Ungleichheit und abgestufter Wertigkeit von Menschen geprägt. Sie basierte auf einem wahnhaften rassistischen Weltbild. Denkmuster aus der Biologie wurden fälschlicherweise einfach auf die Menschheit übertragen. Entsprechend der Tierwelt unterteilte man Menschen in „Rassen“, unter denen sich nur die stärksten im Überlebenskampf der Natur würden behaupten können.

Als die „edelste“ und „reinste“ aller angeblichen „Menschenrassen“ wurde selbstverständlich die eigene betrachtet. Der Konstruktion einer überlegenen „arisch-germanischen Rasse“ entsprach als Idealbild der hochgewachsene, blonde und blauäugige Nord-Mittel-Europäer. Um im „Kampf ums Dasein“ zu bestehen – so die Phantasie – müsse die eigene „Rasse“ rein gehalten und vor schädlichen Einflüssen bewahrt werden. Schwache und Kranke, die als „nutzlose Esser“ galten, sollten sich nicht fortpflanzen dürfen. Jede Vermischung mit anderen, als „minderwertig“ betrachteten „Rassen“ sei zu vermeiden. Die Zukunft und das Überleben der „arischen Rasse“ könne nur gesichert werden, wenn sie ihr Territorium erweitere und sich neuen „Lebensraum“ im Osten Europas erschließe. Ein Teil der dort lebenden Menschen sollte in sklavenähnlichen Verhältnissen unterdrückt, ein anderer Teil ermordet werden. 

Der Antisemitismus der Nationalsozialisten ist demgegenüber nicht einfach eine weitere Form des Rassismus. Die Nationalsozialisten sahen die Juden nicht nur als in der Hierarchie der „Menschenrassen“ ganz unten stehend an, sondern als regelrechte „Gegenrasse“, deren gänzliche Vernichtung angestrebtes Ziel war und von deren Verwirklichung in ihrem Wahn das Glück der 'Völker' abhing. Die antisemitische Ideologie identifizierte mit den Juden alles, was als negativ und bekämpfenswert erlebt wurde: Materialismus und Säkularismus, kosmopolitisches Denken und Intellektualität, kapitalistische Konkurrenz und Geldwirtschaft, Parlamentarismus und Demokratie, Sozialismus und Kommunismus. Juden wurden verantwortlich gemacht für politische und soziale Probleme, für den verlorenenen Ersten Weltkrieg, für den vermeintlichen Niedergang von Sitte und Moral. Der Nationalsozialismus knüpfte dabei an einer sich im Laufe des 19. Jahrhunderts durchsetzenden deutschen Nationsvorstellung an. Die deutsche Nationsvorstellung bildete sich im Gegensatz zum republikanischen Nationsmodell Frankreichs im Zuge der antinapoleonischen Kriege heraus. Nicht die Teilhabe an der Nation oder die Geburt im eigenen Land begründete die Vorstellung als Teil der Nation zu gelten, sondern die Idee einer genealogischen Abstammung von deutschem Blut wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zum vorherrschenden Kennzeichen der deutschen Nations-Zugehörigkeit. Die Juden waren für die Mehrheit der Deutschen schon vor dem Nationalsozialismus keine richtigen Deutschen.

Der moderne verschwörungstheoretische und rassistische Antisemitismus konnte auch an ältere Formen des Judenhasses anknüpfen. Jahrhundertelang hatten Juden als einzige nicht-christliche Minderheit inmitten der christlichen Gesellschaften Europas gelebt. Der Hass der Christen auf die Vaterreligion Judentum und ihr Distinktionswille wurde zu einem bestimmenden Moment der christlichen Religion. Für die Christen spielte in vielen Bereichen das Judentum das zu bekämpfende Gegenmodell dar. Die Beibehaltung ihrer jüdischen Religion hatte den Juden die offene Feindschaft der Kirche eingetragen.

Die religiösen Vorurteile vermischten sich im Laufe der Zeit mit wirtschaftlichen und sozialen Faktoren sowie mit rassistischen Denkmustern. Viele bösartige Ressentiments gegen Juden halten sich bis heute hartnäckig. Zum Beispiel heißt es, sie seien ausgesprochen geizig, schlau und hinterlistig, sie praktizierten geheimnisvolle Riten oder zettelten Verschwörungen an, sie besäßen große Macht und geradezu bedrohlichen Einfluß in Wirtschaft und Gesellschaft. In der biologistisch-rassistischen Variante des Antisemitismus wurden Juden zudem als – oftmals körperlich degenerierte – „Parasiten“ und „Schädlinge“ stigmatisiert, die man vernichten müsse.

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