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Unterkünfte und sanitär-hygienische Bedingungen

 Für die Häftlinge gab es in Auschwitz verschiedene Unterkünfte. In der ehemaligen Kaserne, wo sich das Stammlager (Auschwitz I) befand, nutzte man vor allem die vorgefundenen gemauerten Ziegelsteingebäude. Sie wurden im Laufe der Zeit durch neue Bauten ergänzt und alle auf zwei Stockwerke ausgebaut. Darin lagen jeweils links und rechts von einem Mittelgang große Schlafsäle, in die bis zu 1.200 Personen zusammengepfercht wurden. In der Anfangszeit des Lagers mußten die Menschen auf dem nackten Steinboden schlafen, wobei ihnen als Unterlagen lediglich dünne Stroh- oder Papiersäcke zur Verfügung standen. Die Häftlinge lagen dabei so dicht gedrängt, daß sie meist nur auf der Seite und in dieselbe Richtung gedreht liegen konnten. Wer nachts austreten mußte und aufstand, fand bei seiner Rückkehr oft keinen Platz mehr vor. Später wurden dann dreistöckige Holzpritschen aufgestellt, auf denen sich jeweils mehrere Personen die geringe Fläche teilten.

 In großen Lager Birkenau (Auschwitz II) gab es sowohl ebenerdige aus Ziegeln gemauerte als auch hölzerne Baracken. Die Zustände in Birkenau waren besonders schlecht, da diese Gebäude trotz des sumpfigen Bodens und der kalten Winter nicht gegen Feuchtigkeit oder Kälte isoliert waren. Oft hatten sie undichte Dächer und die Fußböden bestanden nur aus gestampfter Erde, allenfalls aus etwas nacktem Beton. Bei nur zwei kleinen Öfen je Baracke blieben diese Unterkünfte im eisigen polnischen Winter immer kalt. In den Steinbaracken waren durch gemauerte Trennwände 60 kleine Nischen vorhanden, in denen jeweils übereinander drei hölzerne Pritschen eingezogen waren. Bei einer Belegung von oft mehr als 700 Menschen mußten sich häufig bis zu sechs Personen eine Holzpritsche teilen. Die Innenausstattung war so primitiv, daß sie eher einem Tierstall glich. Genauso katastrophal waren die Bedingungen in den Holzbaracken, die eigentlich als Pferdeställe für die Armee konstruiert waren. In den für die Pferde vorgesehenen Boxen wurden hier dreistöckige Holzbettgestelle aufgestellt. Auf engstem Raum mußten hier oft mehr als 400 Menschen hausen.

 In den völlig überfüllten und ständig feuchten Häftlingbaracken herrschten entsetzliche hygienisch-sanitäre Verhältnisse. Waschmöglichkeiten und Toiletten gab es in den Baracken anfangs gar nicht und später nur teilweise. Kleidung und Schlafpritschen der Gefangenen waren häufig mit Kot verschmutzt, weil nahezu alle Häftlinge an Hungerdurchfall litten. Da die Türen über Nacht geschlossen zu sein hatten, blieben die Unterkünfte kaum gelüftet. Überall gab es Ungeziefer und Ratten. Die wenigen vorhandenen Sanitärbaracken mit Waschräumen und Latrinen waren für so viele Menschen nicht ausreichend, zumal sie diese häufig nur zweimal am Tag benutzen durften und dabei unter Schlägen und Gebrüll zu äußerster Eile angetrieben wurden. Nur ganz selten wurden die Häftlinge zum Duschen in die „Sauna“ geführt. Ausziehen mußten sie sich dann oft schon in ihren Unterkunftsbaracken und den Weg zum Bad und zurück nackt bewältigen. Ohne Kleider und mit nassem Körper dem Wind und der Kälte ausgesetzt, holten sich viele der geschwächten Häftlinge dabei tödliche Erkältungen. Unter den katastrophalen hygienischen Bedingungen verbreiteten sich Infektionskrankheiten und Seuchen, denen Tausende von Häftlingen zum Opfer fielen. Die Verantwortlichen in der Lagerleitung störte dieses Massensterben nicht, sondern sie nahmen es ruhig in Kauf. Erst als eine Ausbreitung der Seuchen auf die SS-Angehörigen und ihre Familien drohte, wurden die sanitären Anlagen geringfügig verbessert und man ließ wenige neue Waschmöglichkeiten, Desinfektionsanlagen und Latrinen einrichten.

Holzbaracken im Lagerteil Birkenau (Auschwitz II).
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