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Medizinische Experimente

 An der mörderischen Rassen- und Bevölkerungspolitik des Nationalsozialismus wirkten von Anfang an zahlreiche deutsche Ärzte und Wissenschaftler mit. Viele von ihnen begeisterten sich für biologistische Rassentheorien und rassistische Vererbungslehre, betrieben Forschungen zur „wissenschaftlichen“ Bestätigung der Rassenideologie und entwickelten die akademischen Grundlagen für „Rassenhygiene“ und „Menschenzüchtung“. Ab 1934 wurden von deutschen Ärzten und anderem medizinischen Personal ganz legal mindestens 350.000 Personen mit vermeintlichen Erbschäden zwangssterilisiert und seit 1939 mindestens 150.000 geistig und chronisch Kranke im Rahmen der sogenannten Euthanasie („Vernichtung lebensunwerten Lebens“) ermordet. In den Konzentrationslagern führten sie „Selektionen“ und verbrecherische Menschenversuche durch. Sie verstießen durch die theoretische Rechtfertigung der menschenverachtenden Rassenideologie und die praktische Mitwirkung an Medizinverbrechen gegen alle ethischen Grundlagen ärztlichen Handelns. Statt ihrem eigentlichen Heilungsauftrag nachzukommen, maßten sie sich an, den angeblichen „Lebenswert“ eines jeden Menschen bestimmen und über dessen Leben oder Tod entscheiden zu können.

 In Auschwitz waren SS-Ärzte am Vernichtungsprozeß direkt beteiligt. Nach einem bloß flüchtigen Blick und mit einer einzigen Handbewegung schickten sie bei „Selektionen“ an der Eisenbahnrampe und in den Häftlingskrankenbaus unzählige Menschen in den Tod. An den Gaskammern überwachten sie dann deren Ermordung. Sie führten die ärztliche Aufsicht bei Exekutionen, Folter und Zwangsoperationen an wehrlosen Häftlingen und halfen mit bei der Verschleierung des Massenmords durch Fälschung der Todesursachen.

In manchen Konzentrationslagern bedienten sich skrupellose Ärzte der Häftlinge als „Versuchskaninchen“ für entsetzliche medizinische Experimente, so auch in Auschwitz. Beinahe ausnahmslos war der wissenschaftliche Nutzen dieser Versuche ohne jeden Wert. Die Mehrheit der Opfer starb dabei oder wurde anschließend ermordet, um ihre Körper zu analysieren oder die Zeugen der Medizinverbrechen zu beseitigen. Andere blieben dauerhaft krank oder für immer verkrüppelt. Wer zunächst überlebte, aber nicht wieder zu relativer Gesundheit und zu ausreichenden Kräften kam, wurde zumeist bei einer der zahlreichen „Selektionen“ für den Tod in den Gaskammern ausgesondert.

 Der heute wohl bekannteste Arzt von Auschwitz war der ehrgeizige Dr. Josef Mengele, der furchtbare Experimente an Zwillingspaaren, kleinwüchsigen Menschen und an sogenannten „Zigeunern“ durchführte. Viele seiner „Versuchsobjekte“ ließ er eigens töten, um ihre inneren Organe zu untersuchen oder Teile ihres Körpers zu entnehmen und sie in Glasgefäßen als Anschauungsmaterial zu präparieren. Die meisten seiner Opfer waren Kinder. Andere Ärzte erprobten verschiedene schmerzhafte Methoden der Massensterilisation, mit denen dann Millionen von vermeintlichen „Minderwertigen“ und angeblichen „Rassenfeinden“ unfruchtbar gemacht werden sollten. Zu Versuchszwecken wurde weiblichen Häftlingen eine ätzende Flüssigkeit in die Gebärmutter gespritzt, setzte man Männer und Frauen starker Röntgenstrahlung aus, damit ihre Geschlechtsorgane verödeten, oder entfernte diese operativ. Optimale Studienbedingungen in Auschwitz fand ein Arzt zur Erforschung der Hungerkrankheit, deren Verlauf er an den zahlreichen „Muselmännern“, den bereits völlig entkräfteten, zu lebenden Skeletten abgemagerten Häftlingen beobachten konnte. Ihren Leichen entnahm er dann Gewebeproben. Weibliche Häftlinge mußten überdies zur Erforschung der Krebskrankheit am Gebärmutterhals peinigende Untersuchungen und Operationen über sich ergehen lassen. Wieder andere Ärzte führten zu bloßen Übungszwecken unnötige Operationen an gesunden Menschen durch. Einige mißbrauchten die Gefangenen auch zu Medikamententests, für welche sie häufig sogar mit speziellen Krankheiten infiziert wurden, die oft tödlich verliefen. Die meisten der pharmazeutischen Präparate stellte bereitwillig die Firma Bayer zur Verfügung, die damals zum Chemiekonzern IG-Farben gehörte. Aber nicht nur SS-Ärzte, sondern auch ganz „normale“ Militärmediziner beteiligten sich an Menschenversuchen in den KZs. In Auschwitz wollte einer von ihnen herausfinden, wie man Selbstverletzungen bei Deserteuren erkenne und fügte deshalb Häftlingen viele schlimme und schmerzhafte Wunden zu. Eine absonderliche Idee befiel einen SS-Professor an der Universität Straßburg, der dort eine exemplarische Skelettsammlung anlegen wollte. In Auschwitz wählte man ihm eigens dafür sorgsam 115 lebende Häftlinge aus, von denen dann 80 Personen ins KZ Natzweiler-Stutthof im Elsaß verbracht und ermordet wurden. Ihre Leichen fanden die vorrückenden Allierten noch bevor diese zu Skeletten präpariert waren.

SS-Ärzte „selektieren“ an der Rampe.
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