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Zwangsarbeit

 Ein Grundprinzip in jedem deutschen KZ war, daß alle Häftlinge arbeiten mußte. Die „Arbeit“ konnte dabei ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen: Zunächst einmal garantierte sie die Aufrechterhaltung des Lagerbetriebs selbst; sie diente aber auch als willkürliche Schikane, zur Disziplinierung oder Bestrafung der Insassen, die oft völlig sinnlose Tätigkeiten ausführen mußten; ferner beutete man die Gefangenen als billige Arbeitskräfte aus, um mit ihnen wirtschaftliche Profite zu erzielen; und schließlich benutzte man die Arbeit als Mittel, um die Häftlinge physisch zugrunde zu richten („Vernichtung durch Arbeit“).

 Die Art der Arbeit, zu welcher die Gefangenen jeweils gezwungen wurden, hatte maßgeblichen Einfluß auf ihre Lebensbedingungen und ihre Überlebenschancen. Vergleichsweise günstige Arbeitsverhältnisse fanden sich etwa in den Schreibstuben der Lagerverwaltung, in manchen Werkstätten und Technikbetrieben oder in den Küchen und Magazinen des Lagers. Gerade in letzteren hatten Häftlinge zuweilen auch Gelegenheit, sich zusätzliche Lebensmittel oder wichtige Gebrauchsgegenstände zu „organisieren“. In vielen anderen Arbeitskommandos gab es angesichts brutalen Terrors und physischer Erschwernisse kaum Überlebensmöglichkeiten. Tag für Tag wurden die Gefangenen viele Stunden lang bis an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit geschunden, und oft auch darüber hinaus. Für gefährliche Tätigkeiten gab es keinerlei Vorrichtungen des Arbeitsschutzes, welche das Risiko von Unfällen, schweren Verletzungen und Todefällen minderten. Wer sich verletzte oder die anstrengende Arbeit nicht durchhielt und vor Erschöpfung zusammenbrach, wurde häufig von Kapos oder SS einfach totgeprügelt. Am Ende eines jeden Arbeitstages, wenn die Häftlingskommandos wieder ins Lager einrückten, mußten die von der Schwerstarbeit bereits völlig entkräfteten Gefangenen neben ihren Arbeitsgeräten auch noch die Körper ihrer toten Kameraden mit zurücktragen.

 Anfangs gab es in Auschwitz keine klare Zielsetzung und kein festgelegtes Programm für die Häftlingsarbeit. Neben der Beschäftigung in Verwaltungs- und Versorgungseinrichtungen des Lagers mußte ein Großteil der Gefangenen an den Baumaßnahmen zu dessen Errichtung und ständigen Erweiterung mitwirken. Die schweren körperlichen Tätigkeiten unter primitiven und mörderischen Bedingungen führten in den Arbeitskolonnen zu Sterblichkeitsquoten von bis zu 90 %. Ab 1941/42 bemühten sich die Deutschen wegen des für sie negativen Kriegsverlaufs (Ende des Vormarsches an der Ostfront und Kriegseintritt der USA) um die Intensivierung der Produktivität ihrer Rüstungsindustrie und organisierten den umfassenden Arbeitseinsatz von ausländischen Zwangsarbeitern und von KZ-Häftlingen. Zahlreiche öffentliche und private Unternehmen, von großen Konzernen wie Krupp oder IG-Farben bis hin zu kleinen Betrieben, machten sich in Auschwitz die Sklavenarbeit zunutze, indem sie von der SS Häftlinge „kauften“ oder „ausliehen“. Aus Gründen ökonomischer Effizienz ging man bald dazu über, in der Nähe bereits bestehender Industriebetriebe kleinere Nebenlager zu errichten. Der Lagerkomplex Auschwitz umfasste zuletzt mehr 40 solcher Nebenlager. Das größte von ihnen war das Lager Monowitz (Auschwitz III), das bei einem nahegelegenen Chemiewerk des IG-Farbenkonzerns angesiedelt war. Die SS, die deutsche Wirtschaft und der NS-Staat verdienten gut an der Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge. Zwar betrug deren Arbeitsleistung unter den eigentlich unzumutbaren und mörderischen Bedingungen nur einen Bruchteil der Produktivität normaler Arbeiter. Aber sie waren billig, man konnte sie beliebig zu längeren Arbeitszeiten zwingen und auf alle weitere Kosten für Arbeitsschutz oder Sozialleistungen gänzlich verzichten.

Aussage des ehemaligen Häfltings Werner Krumme bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Aussage des ehemaligen Häfltings Max Kasner bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Häftlinge legen im Lagerteil Birkenau (Auschwitz II) entlang des Lagerzauns einen Entwässerungsgraben an. Fotografie der SS.
Buna-Werke des Chemiekonzerns IG-Farben.
Nebenlager Trzebinia, wo Auschwitz-Häftlinge von August 1944 bis Januar 1945 beim Ausbau einer Erdöl-Raffinerie arbeiten mußten..
Häftlingsarbeit zur Errichtung von Gebäuden des Lagers Birkenau (Auschwitz II), aufgenommen von der SS, 1944.
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