Gedenkstätte Auschwitz | KIgA Homepage | Betreuung der DVD | Impressum

Das System der Konzentrationslager

Mit dem System der Konzentrationslager („KZ“, während des Nationalsozialismus auch „KL“) schufen die Nationalsozialisten ein wesentliches Machtmittel für ihre Terrorherrschaft. Die Konzentrationslager waren eigentlich keine Erfindung der Nazis, da es in der Geschichte schon zuvor immer wieder Internierungslager gleichen Namens gegeben hatte. Doch erst im „Dritten Reich“ erlangten diese Lager ihre wirkliche Bedeutung als Instrumente der Gewaltherrschaft, als Orte von Angst und Schrecken. Ihre Geschichte ist vielschichtig und wechselhaft. Zudem entwickelte sich im Laufe der Zeit ein schwer überschaubares Lagersystem, das eine Vielzahl weiterer verschiedener Lagertypen umfaßte, wie z.B. Arbeitserziehungs-, Polizeihaft-, Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- und Vernichtungslager.

Gleich nach der Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler am 30. Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten, mit brutalem Terror gegen politischen Gegner (vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten) und gegen andere mißliebige Personen vorzugehen. Ihr erklärtes Ziel war die Zerschlagung oppositioneller Kräfte und die Entmachtung der demokratischen Institutionen der Weimarer Republik. Während dieser ersten brutalen Welle politischer Gewalt in den Jahren 1933/34 richteten die Nazis überall Folterkeller, kleinere oder größere KZs und von der Justiz nicht kontrollierbare Haftstätten ein. Im März/April 1933 waren hier über 45.000 Menschen inhaftiert.

Um dem offenen Terror einen legalen Anschein zu geben, mußte für die Verfolgungen eine rechtliche Grundlage geschaffen werden. Einen Anlaß dazu bot der Brand des Reichstages am 27./28. Februar 1933, der ohne jeden Beweis den Kommunisten angelastet wurde. Noch am 28. Februar 1933 erließ der Reichspräsident eine Notverordnung „zum Schutz von Volk und Staat“ („Reichstagsbrandverordnung“). Sie setzte wichtige, verfassungsmäßig garantierte Grundrechte – Freiheit der Person, Meinungs-, Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit, Post- und Fernsprechgeheimnis, Unverletzlichkeit von Wohnung und Eigentum – außer Kraft. Die Verordnung schuf zugleich die rechtliche Voraussetzung für die sogenannte „Schutzhaft“, welche fortan auch den einzigen gesetzlichen Rahmen für die Haft im Konzentrationslager darstellte.

Die „Schutzhaft“ wurde in den 12 Jahren der NS-Herrschaft das maßgebliche Instrument des staatlichen Terrors. Die entsprechenden Bestimmungen wurden von der Leitung der „Geheimen Staatspolizei" (Gestapo) im Laufe der Zeit immer wieder erneuert, erweitert und vereinfacht; in der Praxis wurden zeitliche Haftbegrenzungen umgangen. Das Instrument der „Schutzhaft“ wurde auch zur Basis weiterer Terrormaßnahmen in Deutschland und in den eroberten Ländern. Massenhaft wurden auf dieser „rechtlichen“ Grundlage politische Gegner und aus rassischen Motiven zu „Staatsfeinden“ abgestempelte Personen willkürlich verschleppt und in Lager gesperrt, wo viele dann ermordet wurden.

 Eine einheitliche Konzeption und Ausrichtung der KZs erfolgte jedoch erst ab 1934, als die zunächst von Formationen der SA, SS und der Polizei, aber auch staatlichen Verwaltungen betriebenen Lager in die alleinige Zuständigkeit der SS übergingen. Allerdings konnte nur die Gestapo die „Schutzhaft“ verhängen und auch bestimmen, wann die Häftlinge wieder freigelassen wurden. Mit der Neuorganisation nach dem Vorbild des Konzentrationslagers Dachau wurde der Terror in den KZs systematisiert, um „effektiver“ wirksam zu werden. Deshalb und aus Kostengründen wurden einige Lager geschlossen. Durch den Terror der Anfangszeit war der politische Widerstand oppositioneller Kräfte vorerst geschwächt, so daß die Zahl der Häftlinge stark verringert wurde. Im Sommer 1935 waren kaum 4.000 Inhaftierte vermerkt. Seit 1936 erfolgten neue Lagergründungen und stiegen die Häftlingszahlen wieder an, wobei jetzt vermehrt aus „gesellschaftsbiologischen“ Gründen verfolgte Menschen interniert wurden: vor allem sogenannte „Arbeitsscheue“, „Asoziale“, „Berufsverbrecher“, auch „Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas) und Juden. Ab 1938 wurde die Häftlingsarbeit in Steinbrüchen, Kiesgruben und Ziegeleien auch für die wirtschaftlichen Interessen von SS-Unternehmen ausgebeutet. Nach dem als „Reichskristallnacht“ bezeichneten Pogrom am 9./10. November 1938 waren vorübergehend fast 30.000 Juden inhaftiert. Im Spätsommer 1939 saßen in deutschen Konzentrationslagern immerhin 21.000 Gefangene.

 Der Kriegsbeginn im September 1939 und die Ausweitung des deutschen Einflußgebietes führte zu einem enormen Anstieg der Anzahl an Lagern und Häftlingen. Durch große Verhaftungswellen in Deutschland und in den eroberten Ländern füllten sich die Lager nun mit Polen, Franzosen, Tschechen, Jugoslawen, Holländern, Belgiern und anderen, darunter viele Juden und „Zigeuner“. Es kam zu einem dramatischen Anstieg der Todeszahlen und die Sterblichkeit erreichte jetzt in manchen Konzentrationslagern Quoten von bis zu 75 %.

1941/42 begann die systematische Vernichtung der Juden und die massenhafte Ermordung von Polen, Russen und „Zigeunern“. Zugleich stiegen insgesamt die Häftlingszahlen weiter an und verschlechterten sich die Lebensbedingungen in den Konzentrationslagern in katastrophalen Ausmaßen. Seit 1942 wurden Häftlinge verstärkt zur Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion herangezogen, obwohl ihre Produktivität äußerst gering blieb. Das weitaus größte aller nationalsozialistischen Lager war Auschwitz, das gleichzeitig als Konzentrationslager sowie als Vernichtungsstätte diente. In den letzten Jahren der NS-Herrschaft war das System der KZs schließlich auf 22 Hauptlager mit über 1.200 Nebenlagern für mehr als 700.000 Häftlinge angewachsen.

Insgesamt waren in deutschen Konzentrationslagern zwischen 1933 und 1945 schätzungsweise 2,5 bis 3,5 Millionen Menschen eingesperrt.

weitere Informationen