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Ankunft und „Selektion“

Nach Auschwitz wurden die Gefangenen in zahlreichen Einzel- oder Sammeltransporten eingeliefert. Ab 1941/42 begann die umfassende Deportation von Juden aus nahezu allen damals im deutschen Machtbereich liegenden Ländern. Aus beinahe allen Teilen Europas wurden nun jüdische Menschen in Massentransporten in die Ghettos und Lager „im Osten“ verschleppt. Die Transporte erfolgten zumeist mit der Eisenbahn, ohne deren Hilfe die gewaltsame Beförderung so vieler Menschen kaum möglich gewesen wäre.

In fest verschlossenen Viehwaggons wurden oft 80 bis 100 Personen zusammengepfercht, die manchmal sogar mehrere Tage so dicht gedrängt stehen mußten, daß sie nicht einmal Platz hatten, sich hinzusetzen. Man gab ihnen weder zu Essen noch zu Trinken. Weder gab es eine Toilette noch eine Heizung für den Winter. Die Luft in den überfüllten Waggons war stickig und voller Gestank. Wegen der schwer bewaffneten Polizisten, welche die Züge begleiteten, war an eine Flucht kaum zu denken, so daß sie nur wenigen gelang. Viele Menschen starben schon auf dem Transport vor Durst und Erschöpfung.

Die Ankunft in Auschwitz erfolgte an einer Eisenbahnrampe entweder beim Stammlager oder am Güterbahnhof der Kleinstadt. Von dort wurden die Gefangenen dann ins Lager getrieben. Ab Mai 1944 hatte das Lager Birkenau einen eigenen Gleisanschluß, so daß die Züge direkt bis an die Vernichtungsanlagen heranfahren konnten.

Nach langer und quälender Fahrt öffneten sich nun plötzlich die Türen. Unter Schlägen und Schreien wurden Männer, Frauen und Kinder hinausgetrieben, von allen Seiten war schimpfendes Gebrüll und bellten Hunde. Das Tageslicht (oder grelle Scheinwerfer in der Nacht) blendete die von der Fahrt geschwächten Menschen. Häufig wußten sie nicht einmal, wo sie waren, und oft verstanden sie auch nicht die gebrüllten Befehle und Anordnungen. Ein Arbeitskommando aus Häftlingen räumte aus den Waggons die Leichen und das Gepäck. An der Eisenbahnrampe mußten sich die neu Angekommenen in zwei getrennte Reihen aufstellen: Frauen und Kinder auf der einen Seite, Männer auf der anderen. Familien wurden gnadenlos auseinandergerissen. Hier erfolgte jetzt die „Selektion“. Einzeln mußten die Menschen vortreten, damit ein SS-Arzt sie durch einen bloß flüchtigen Blick und eine kurze Handbewegung nach recht oder links in „Arbeitsfähige“ und „Arbeitsunfähige“ unterteilte. Die als „arbeitsfähig“ eingestuften Personen wurden registriert und in das Lager aufgenommen. Wer als „arbeitsunfähig“ galt, war zum Tode bestimmt und wurde nicht registriert, sondern sofort nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. Das waren oft 70-80 % eines Transportes.

Aussage des ehemaligen Häfltings Lajos Schlinger bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Aussage des ehemaligen Häfltings Magda Szabo bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Aussage des ehemaligen Häfltings Rudolf Vrba bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Aufstellung zur „Selektion“ an der Rampe in Auschwitz-Birkenau.
„Selektion“ an der Rampe in Birkenau (Auschwitz II).
Menschen kurz vor ihrer Ermordung in den Gaskammern.
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