Gedenkstätte Auschwitz | KIgA Homepage | Betreuung der DVD | Impressum

Aufnahme ins Lager

Zur Aufnahme ins Lager wurden die bei ihrer Ankunft zu „arbeitsfähig“ erklärten Personen zur Desinfektion in Duschräume („Saunas“) geführt, wo sie eine spezielle Aufnahmeprozedur durchlaufen mußten. Diese war begleitet von grausamem Spott, wüsten Drohungen und körperlichen Mißhandlungen durch SS-Leute und ihre Komplizen. Ständig zur Eile angetrieben sollten hier die durch ihre brutale Behandlung völlig geschockten und eingeschüchterten Menschen innerhalb kürzester Zeit in kahlgeschorene KZ-Häftlinge verwandelt werden, die bald nicht mehr Namen, sondern nur noch Nummern trugen.

Zunächst mußten sie sich nackt ausziehen und alle Kleider, Gepäck und Wertgegenstände abgeben. Anschließend wurde ihnen mit stumpfen Rasierern der Kopf geschoren, alle Körperhaare entfernt und die entsprechenden Stellen grob desinfiziert. Ohne Rücksicht auf persönliche Schamgefühle wurden dabei die Entkleideten fortlaufend durch Beleidigungen oder Schläge auf ihre nackten Körper gedemütigt. Wie Vieh wurden sie dann in die ungeheizten Duschräume getrieben, wo aus den Rohren absichtlich entweder viel zu heißes oder eiskaltes Wasser herauskam. Jetzt wurden sie im Laufschritt weiter gehetzt und bekamen ihre Häftlingsbekleidung zugeworfen, die sie rasch anziehen mußten. Die blau-grau gestreifte Häftlingsuniform bestand aus grobem Stoff, der auf der Haut scheuerte. Ausgeteilt in völlig beliebiger Größe war sie häufig schon stark verschlissen, löchrig und ohne Knöpfe, schmutzig und verlaust. Statt Schuhen wurden unbequeme Holzpantoffeln ausgegeben, in denen die Gefangenen sich nur mühevoll und unter Schmerzen bewegen konnten.

Danach erfolgte die Registrierung dieser neuen Häftlinge. Auf Personalbögen wurden Angaben zur Person und zu Familienangehörigen festgehalten, manchmal auch Fotos gemacht. Jeder Häftling bekam eine Nummer zugewiesen. Diese wurde gut sichtbar auf der Häftlingsuniform angebracht und zudem auf den linken Unterarm tätowiert. Auschwitz war das einzige Konzentrationslager, in dem man Häftlingen die Nummern tätowierte, was bei der hohen Sterblichkeit die Identifizierung der Leichen erleichterte. Sinti und Roma erhielten zu ihrer Nummer zudem ein „Z“ für „Zigeuner“, während „arische“ deutsche Häftlinge und sogenannte „Erziehungshäftlinge“ nicht tätowiert wurden.

Wie in anderen deutschen KZs wurden die Gefangenen außerdem verschiedenen Kategorien zugeteilt und diese durch farbige Dreiecke aus Stoff („Winkel“) auf den Häftlingsanzügen befestigt. Jeder Häftlingskategorie war ein Winkel in bestimmter Farbe zugeordnet – Rot stand für politische Häftlinge, Grün für Kriminelle, Schwarz für „Asoziale“ und „Zigeuner“, Violett für „Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas), Rosa für Homosexuelle. Juden mußten darunter zusätzlich ein gelbes Dreieck tragen, welches andersherum angebracht war, so daß beide Winkel zusammen einen Davidstern bildeten. Häftlinge anderer Nationalitäten erhielten auf ihrer Kleidung ferner eine Kennzeichnung durch Buchstaben, zum Beispiel ein „P“ für Polen oder „SU“ für Sowjetrussen.

Aussage des ehemaligen Häfltings Gisela Böhm bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Appell weiblicher Häftlinge nach ihrer Aufnahme ins Lager.
weitere Informationen