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Terror und Strafen

 Das System von Terror und Willkür in den Konzentrationslagern war beinahe grenzenlos und ohne jede Gnade. Pausenlos waren die Häftlinge den brutalen Schikanen und Quälereien von SS-Leuten und kriminellen Funktionshäftlingen ausgesetzt. Immer standen sie auf der Schwelle zum Tod. Jeder SS-Angehörige konnte einen Häftling töten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Von Funktionshäftlingen wurde der Mord an Mitgefangenen oft sogar erwartet. Spontane Prügelstrafen gab es für nahezu alles. Schon allergeringste Verstöße gegen die strenge Disziplin wurden geahndet. Wer den Arbeitssoll nicht erfüllte, die Marschkolonne oder den Arbeitsplatz verließ, unerlaubt eine Pause machte, Wasser trank, eine Zigarette rauchte oder auch nur mit dem Nachbarn sprach, konnte umstandslos zu Tode geprügelt oder erschossen werden. Darüber hinaus konnte auch die SS-Lagerbehörde ganz „ordnungsgemäß“ Strafen verhängen. Dazu bediente sie sich ausgeklügelter, grausamer Strafmethoden, die bereits bei kleinsten Vergehen gegen die Lagerordnung, erst recht aber bei jedem Verdacht auf Formen des Widerstands angewandt wurden. Dennoch war das Strafmaß eigentlich immer willkürlich und völlig unverhältnismäßig. Über die Bestimmungen der Lagerordnung wurden die Häftlinge nicht einmal unterrichtet, sondern lediglich durch Stockschläge und Fausthiebe belehrt.

 Häufig angewandt – und meist öffentlich beim Appell vollzogen – wurden Prügelstrafen auf dem „Bock“. Dazu wurde der betroffene Häftling bäuchlings auf ein Holzgestell geschnallt und bekam dann mit einem Stock oder einer Peitsche Schläge auf das Hinterteil. Das Mindestmaß von 25 Hieben konnte schon tödlich sein, wurde aber oft noch überschritten.

Bei der Strafe des „Pfahlbindens“ hing man einen Häftling mit nach hinten gedrehten Armen an einem Pfosten auf, so daß er in der Luft hing. Manche der Opfer dieser Foltermethode fielen vor lauter Schmerzen in Bewußtlosigkeit. Nachdem man ihn wieder heruntergeholt hatte, konnte der Häftling seine Arme vorerst nicht mehr bewegen. Da er nun seine Arbeit nicht mehr verrichten konnte, bekam er oft schwere Prügelstrafen oder wurde als „arbeitsunfähig“ in die Gaskammer selektiert.

Wer zur Haft in der „Stehzelle“ (auch „Stehbunker“) bestimmt wurde, den brachten man ins Lagergefängnis nach Block 11 des Stammlagers (Auschwitz I). Dort gab es im Kellergeschoß vier kleine Zellen, jede nur etwa einen Quadratmeter groß. Ihre einzige Öffnung war ein kleines Türchen in Bodennähe, das zugleich als Zugang diente. In diese engen, dunklen Zellen wurden jeweils bis zu vier Personen gesperrt, die dann so dicht gedrängt standen, daß sie sich kaum bewegen und nicht setzen konnten. Nach einer qualvollen Nacht wurden die Häftlinge dann am Morgen wieder zur Zwangsarbeit geschickt. Diese Strafe wurde oft für mehrere Nächte hintereinander verhängt.

Eine der gefürchtetsten Bestrafungen war die Einweisung in die „Strafkompanie“, die zwischen 150 und 600 Personen umfassen konnte. Hier mußten die Häftlinge körperliche Schwerstarbeit leisten und war ihre Behandlung ganz besonders grausam. Streng von den anderen Gefangenen isoliert, in den schlechtesten Baracken und mit miserablem Essen wurden sie zu schwersten Stein- und Erdarbeiten gezwungen. Beinahe pausenlos erhielten sie Prügel und trieb man sie zur Eile an. Die Sterblichkeit in der „Strafkompanie“ war enorm hoch. Tagtäglich wurden unzählige Häftlinge kaltblütig ermordet und kehrte die Arbeitskolonne am Abend mit einem ganzen Wagen voller Leichen ins Lager zurück.

Allgemein gängig, ob als „ordnungsgemäß“ verhängte  Strafe oder nur als boshafte Quälerei, war eine Form des Strafexerzierens, die als „Sport machen“ bezeichnet wurde. SS-Aufseher oder sadistische Funktionshäftlinge nötigten dabei die Gefangenen zu allerlei erniedrigenden Handlungen und grausamen „Spielchen“, die körperlich Schwache kaum aushalten konnten. Wer unter den oft stundenlangen Schindereien – wie Rennen, Kniebeugen, Kreiselbewegungen, Kriechen und Krabbeln auf dem Boden etc. – erschöpft zusammenbrach oder sich verweigerte, wurde unter Schlägen zum Weitermachen gezwungen oder sogar totgeprügelt.

Als Straf- und Terrorinstrument dienten auch Hinrichtungen, die bei Verstößen gegen die Lagerordnung, bei mutmaßlicher Aktivität für die Widerstandsbewegung des Lagers, bei Fluchtversuchen oder aus ganz nichtigen Anlässen vollstreckt wurden. Hinrichtungen erfolgten zumeist entweder durch Hängen am Galgen – zur Abschreckung oftmals auch öffentlich – oder durch Erschießen vor einem Kugelfang im Hof vom Lagergefängnis (Block 11), bezeichnet als die „Schwarze Wand“ oder „Todeswand“. Nach Auschwitz wurden häufig auch von außerhalb Partisanen oder Zivilisten gebracht, um dort erschossen zu werden. Massenerschießungen fanden mitunter auch in nahegelegenen Kiesgruben oder in den Räumen der Krematorien statt.

Aussage des ehemaligen Häfltings Rudolf Rybka bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Aussage des ehemaligen Häfltings Filip Müller bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Aussage des ehemaligen Häfltings Viktor Lederer bei den Verhandlungen des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965).
Das „Stammlager“ (Auschwitz I) mit dem Lagergefängnis in „Block 11“. Alliierte Luftaufnahme von 1944.
Exekution an der „Todeswand“ im Hof zwischen „Block 10“ und dem Lagergefängnis „Block 11“ im Stammlager. Zeichnung des ehemaligen Häftlings Wladyslaw Siwek.
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