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Persönliche Eindrücke von TeilnehmerInnen einer Bildungsreise in die Gedenkstätte des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau

 

„Nach unserer Auschwitzfahrt gingen mir hauptsächlich folgende Fragen durch den Kopf: Wie konnte so etwas wie der planmäßige Mord an 6 Millionen Menschen überhaupt passieren? Wie war es möglich, daß angeblich niemand davon etwas gewußt oder bemerkt haben will? Haben wir Menschen wirklich etwas daraus gelernt und ist das, was wir vielleicht gelernt haben wirklich genug? Das sind nur einige Fragen von vielen. Ausgrenzung, Verfolgung, Deportation, Elend, und schließlich der Tod – diese grauenvolle Dinge weckten in mir Gefühle von Trauer, Mitleid und Angst.“

Turgut

 

„Wenn man über die Geschichte nachdenkt, die mit Auschwitz verbunden ist, kommen einem Gefühle hoch, die man eigentlich lieber nicht fühlen möchte. Es war für mich schon der zweite Besuch. Das erste Mal war ich dort, als ich in der Oberschule war, im Zusammenhang mit meinem Geschichtsunterricht. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, wie es für die Menschen dort war. Aber heute denke ich anders darüber. Ich konnte kaum glauben, was dort passiert war und wie es dazu kommen konnte, daß Menschen anderen Menschen so viel Leid und Schmerzen zufügen konnten, ohne Mitleid zu haben. Ich war wütend über das, was ich gesehen habe und traurig darüber. Es war unglaublich zu wissen, daß Menschen das überlebt haben. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die mit dieser Vergangenheit leben können und Verachtung gegenüber den Menschen, die den Holocaust leugnen. Ich hoffe, daß so etwas nie wieder passiert. Es ist die Geschichte Deutschlands, aber auch die unserer Welt.“

Öznur

 

„Über die schrecklichen Verbrechen, die in Auschwitz verübt wurden, hatte ich schon viel gelesen und gehört. Zuerst hatte ich ein komisches Gefühl bei der Vorstellung, selbst an diesen Ort zu fahren, wo so viele Menschen grausam ermordet wurden. Während unseres Besuchs war ich anfangs sehr aufgeregt und verwirrt, später dann vor allem von einer tiefen Traurigkeit und auch von Wut erfüllt. Dort im Museum steht man plötzlich vor großen Haufen menschlicher Haare, vor Tausenden von Schuhen, Brillen, Koffern, Zahnbürsten, Rasierern usw., und das ist oft das Einzige, was von den Ermordeten übrig geblieben ist. Das schockiert ganz schön und gleichzeitig fühlt man sich den Opfern ganz nahe, das waren ja alles Menschen wie du und ich. Im Lager Birkenau, wo die großen Vernichtungsanlagen waren, sieht man im Boden sogar noch Knochensplitter. Zwangsläufig stellt man sich die Frage, wie dieser ganze Wahnsinn passieren konnte, wie Menschen so grausame Dinge tun können und ein ganzes Volk einfach ausradieren wollen. Dem Großteil der Bevölkerung war in ihrem Alltag ja ziemlich gleichgültig, was mit den Juden passierte, Hauptsache sie waren weg. Obwohl die Nazis ganz deutlich aussprachen, daß sie die Juden vernichten wollten, konnten oder wollten sich das viele gar nicht vorstellen. Hätten die Juden schon damals einen eigenen Staat gehabt, dann hätten sich viele von ihnen retten können.“

Emre

 

„Man schämt sich dafür, daß die Menschheit so etwas wie den Holocaust geschehen lassen konnte. Das zeigt, welche gefährlichen Folgen rassistische und antisemitische Vorurteile haben können. Der Holocaust begann nicht erst in Auschwitz und er war auch nicht auf diesen Ort beschränkt. Weil damals in Deutschland und in Europa etwas geschah, was niemals jemand für möglich gehalten hätte, kann es auch wieder geschehen. Sicher nicht genauso wie früher, aber in anderer Form. Wir sollten da sehr wachsam sein. Ich denke, daß Rassismus und Antisemitismus auch heute noch stark verbreitet sind, oft auch bei Leuten, die von sich selbst das Gegenteil behaupten. Wir alle sollten versuchen zu verstehen, woher unsere Vorurteile kommen und welche Funktion sie erfüllen. Nur dann können wir sie vielleicht auch überwinden und wirkungsvoll bekämpfen.“ 

Thorsten

 

„Das erste Mal begegnete ich dem Thema der Verfolgung und Vernichtung der Juden, als ich das Tagebuch von Anne Frank gelesen habe. Ich war damals vielleicht elf oder zwölf Jahre alt. Am Ende des Buches las ich die kleine Notiz, in der geschrieben stand, daß Anne und die Leute, die mit ihr versteckt lebten, schließlich von einem Niederländer verraten wurden. Anschließend wurden sie deportiert und Anne starb dann im KZ Bergen-Belsen an den Folgen von Typhus, nur kurz vor der Befreiung des Lagers (jedenfalls soweit ich mich erinnere). In dem Buch wurden auch die Namen von anderen Konzentrationslagern erwähnt, in die ihre Verwandten und Bekannten deportiert worden waren. Dort las ich auch den Namen Auschwitz. Ich erinnere mich, daß ich sofort auf einer Landkarte nachgeschaut habe, wo die genannten Orte sein sollten. Ich habe sie nicht gefunden. Deshalb fragte ich meine Mutter, warum ihre Namen nicht auf der Karte verzeichnet sind. Ich erinnere mich auch, daß ich mich selbst fragte, wie so furchtbare Dinge wie Verfolgung und Mord an irgendeinem Ort passieren könnten, ohne daß die anderen dort lebenden Menschen den Verfolgten beistehen und sie retten. Meine Mutter meinte, daß ich die Namen, die ich suchte, auf einer normalen Karte wahrscheinlich nicht finden würde. In diesem Moment verstand ich, daß es sich um eine ganz andere, fremde Welt handeln müsse, in der selbst die Namen der Orte eine andere Bedeutung haben. Ich stellte mir Auschwitz als einen dunklen Ort vor, als etwas, das außerhalb der Zeit und des Lebens steht. Ich dachte, ich würde nie an so einen Ort reisen können, denn es würde mir einfach die Kraft dazu fehlen und die Angst würde mich überwältigen. Das habe ich sehr lange gedacht. Bis ich mich schließlich entschied, an dieser Reise teilzunehmen. Um vielleicht endlich verstehen zu können, daß dies kein Ort außerhalb der Zeit und des Lebens war, sondern ein Teil davon – ein Teil des Lebens, unseres Lebens und unserer gemeinsamen Geschichte. Und dort stand ich nun und fand den Ort so leer, und so ruhig… Am Ort des Geschehens ist vom Geschehen selbst nichts übrig geblieben außer Ruinen, die nicht sprechen können. Ich habe an die vielen Menschen gedacht, die dort umgebracht wurden, und mich gefragt, was ich tun könne. Nicht viel. Nur lernen, verstehen und weitergeben... Weil Auschwitz sich auf derselben Erde ereignet hat, auf der auch unsere Vorfahren, egal woher sie kamen, wo sie lebten und was sie machten, gelebt haben...“

Funda

 

„Für mich war auf unserer Studienreise sehr beeindruckend, die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bewußt als einen der Orte zu besuchen, an dem die Vernichtung der europäischen Juden stattfinden sollte und auch stattfand. Obwohl ich mich immer wieder mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, war ich entsetzt über die räumlichen Dimensionen dieser Anlage im Verhältnis zu dem Ausmaß der Verbrechen, die dort in nur relativ kurzer Zeit begangen wurden. Räumlich schien dort alles so klein und dennoch ist Auschwitz der größte jüdische Friedhof der Welt, wahrscheinlich sogar der größte Friedhof überhaupt! Unsere Studienreise hat mir dabei geholfen, weitere Aspekte der Geschichte der Verfolgung und Vernichtung kennenzulernen und ihre Bedeutung und Folgen besser zu begreifen. Es war in jeder Hinsicht eine durchaus bereichernde Erfahrung, die mir in meinem Leben sehr wichtig ist, weil ich bewußt erleben und reflektieren konnte, wozu wir Menschen fähig sein können. Die Frage, wie ich damals verhalten hätte, beschäftigt mich seitdem immer wieder. Hätte ich damals den Mut gehabt, mich gegen den Wahn der Nazi-Ideologie zu wehren? Ich hoffe innig, dies wäre der Fall gewesen. Wo kommen wir heute in Situationen, in denen wir uns wehren müssen? Und habe ich heute den Mut, mich nötigenfalls zu wehren?“

Asli

 

„Ich habe vor dieser Reise in Deutschland andere KZ-Gedenkstätten wie Buchenwald und Sachsenhausen besucht und dort das barbarische Vorgehen der Nationalsozialisten kennengelernt. Bevor ich nach Auschwitz fuhr, hatte ich außerdem verschiedene Berichte über Auschwitz gelesen und auch Zeitzeugengespräche erlebt. Da Auschwitz als Symbol für den Holocaust betrachtet wird, dachte ich, es erwarte mich eines dieser Konzentrationslager bzw. Vernichtungslager, wo Juden, Sinti und Roma sowie die damaligen politischen Gegner der Nationalsozialisten erniedrigt, verachtet, gefoltert und ermordet wurden, ohne daß ich dessen Ausmaße richtig einzuschätzen wußte. Als wir dann in der schönen Stadt Krakau eintrafen und ich eine lebendige Stadt voller freundlicher Menschen sah, konnte ich mir nicht vorstellen, daß in der Nähe dieser Stadt ein so schrecklicher und in der Menschheitsgeschichte unvergesslicher Akt der Barbarei stattfinden konnte. Das Stammlager des KZ Auschwitz erschien mir zunächst als eine große Gefängnisanlage, wo man sich nicht vorstellen konnte, daß dort mehr als eine Million Menschen vernichtet wurden. In Birkenau aber habe ich dann die Reste der Vernichtungsanlagen ganz aus der Nähe gesehen und konnte mir vorstellen, wie und unter welchen Bedingungen Millionen von Menschen hier ihrem Tod entgegensehen mußten. Es ist für die ganze Menschheit, insbesondere aber für die Deutschen, sehr wichtig, diesen Ort zu besuchen, um die Geschichte besser zu verstehen und immer für Demokratie, für Menschenrechte und für die Freiheit zu kämpfen.“ 

Ahmet

 

„Für mich persönlich war es bereits der zweite Besuch in Auschwitz. Unsere gemeinsame Reise war dieses Mal auf jeden Fall viel intensiver. Bei meiner ersten Auschwitzfahrt mit der Schulklasse hatten wir nur ein paar Stunden Zeit, um uns ein Bild zu machen. Bei unserer jetzigen Reise nach Auschwitz hatten wir über mehrere Tage verteilt die Möglichkeit, uns ein genaueres Bild über die Geschichte von Auschwitz zu machen. Dies ist bei einem so komplexen Thema auch notwendig. Es ist nicht möglich, die Ereignisse von damals in einige Stunden zu komprimieren. Auch durch unsere Führung durch die Gedenkstätte unter der Leitung von Jozef konnte ich die Ereignisse von damals viel besser nachvollziehen. Was mich sehr stark berührt hat waren z.B. die Fotowände, die wir an einem der Tage besichtigt haben.“ 

Faruk

 

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